Sonstige Literatur

Sachbücher, Broschüren, Filme, Videos

Sachbücher

Orchidee oder Löwenzahn?

Warum Menschen so unterschiedlich sind und wie sich alle gut entwickeln können

W. Thomas Boyce (2019) Droemer Verlag

Deutsche Ausgabe: März 2019

Verlagstext (Auszug):

Ein psychologisches Sachbuch über das Thema, warum wir Menschen uns unterschiedlich entwickeln. Menschen sind rätselhaft: Während der eine wie eine Orchidee feinfühlig auf alle Widrigkeiten reagiert, ist der andere robust und kommt problemlos wie ein Löwenzahn mit allen Herausforderungen zurecht.
Der international renommierte Kinder-Psychologe W. Thomas Boyce hat dieses Phänomen jahrzehntelang untersucht. Seine weltweit anerkannte Forschung zeigt, dass das Zusammenspiel von genetischen Voraussetzungen und Umwelteinflüssen darüber entscheidet, wie Menschen mit den Anforderungen ihrer Umwelt fertig werden und Stress verarbeiten.

Auszug aus Kapitel 1 – Eine Geschichte von zwei Kindern :

Dies ist die Geschichte einer Erlösung: eine Geschichte von Kindern, die sich wie Orchideen und Löwenzähne enorm darin unterscheiden, wie empfindsam sie auf Umweltbedingungen reagieren; eine Geschichte, die sich allmählich, aber kontinuierlich aus 25 Jahren Labor- und Feldforschung entwickelte; eine Geschichte, in die der Autor sehr involviert ist, sowohl wissenschaftlich als einer der Forscher, aus deren Arbeit sie stammt, als auch persönlich als eines der Kinder, für das sie lange, bevor es überhaupt eine „Geschichte“ gab, die man hätte erzählen können, schmerzlich und unausweichlich zur Realität wurde.

Helfer in der Not: Warum Geschwister für psychisch Kranke so wichtig sind

Jana Hauschild
in Spiegel Online (16.02.2019)

siehe auch Buchtipp:
„Übersehene Geschwister“ von Jana Hauschild

Jana Hauschild:

Wenn ein Mensch psychisch erkrankt, leidet meist auch das Umfeld. Bruder und Schwester werden dabei häufig übersehen, dabei können sie die Betroffenen unterstützen. Mitunter brauchen sie aber auch selbst Hilfe.

Übersehene Geschwister

Das Leben als Bruder oder Schwester psychisch Erkrankter

Jana Hauschild (2019)
Beltz Verlagsgruppe

Neuerscheinung
1. Auflage, Februar 2019

Verlagstext:

Sie spielen meist nur die zweite Geige: Geschwister psychisch Erkrankter bleiben mit ihren Bedürfnissen und Erfolgen, ihren Sorgen und ihrer Angst oft allein. Manche ein Leben lang. Sie sind die geborenen Funktionierer, Sonnenkinder, Vermittler zwischen Eltern und Geschwistern. Die Beziehung zu ihrem erkrankten Geschwister ist komplex – mal haben sie einen ausgeprägten Schutzinstinkt, mal hegen sie Gram. Manche hat die Verantwortung stark gemacht, andere fühlen sich ihrer Kindheitsjahre beraubt.
Jana Hauschild gibt den erwachsenen Geschwistern eine Stimme. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert die Psychologin Lebensläufe, spürt den Gefühlen der Übersehenen nach und begleitet sie auf ihrem Weg zu sich selbst.

Buchbesprechung von Reinhard Peukert

veröffentlicht in Psychosoziale Umschau 2/2019, S. 53

Klartext mit Gefühl und Respekt

Kein Leser wird sich der eindringlichen Präsenz des Textes entziehen können, die nicht zuletzt auf drei Expertisen der Autorin beruht: Jana Hauschild ist die Schwester von Sven, der an einer Borderline Persönlichkeitsstörung leidet, sie hat Psychologie studiert und ist heute eine gut beschäftigte Journalistin.
Diese drei Expertisen verbinden sich mit hoher Sachkenntnis und beeindruckender literarischer Kunstfertigkeit zu einem Buch, das für viele Lesergruppen ein gut zu rezipierender Gewinn sein wird – für die Geschwister, für deren Eltern, für weitere Familienangehörige, aber auch für professionelle Helfer. Selbst die psychisch erkrankten Geschwister werden von den Selbstäußerungen der vielen vorgestellten Geschwister profitieren, denn die Autorin redet zwar Klartext, aber niemals ohne einfühlsame Achtung jenen gegenüber, die als Geschwister oder Eltern am Leid der zu Wort-Kommenden direkt oder indirekt beteiligt sind.

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Hinweis: Wenn Dir das Buch gefällt, kannst Du zu seiner Verbreitung beitragen, indem Du Bewertungen bei Online-Portalen wie z.B. Amazon abgibst.

Die Wunschperle

Ein Comicbuch für Kinder ab 5 Jahren

Herausgeber: Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) (2018)

Mit viel Einfühlungsvermögen haben der  Comiczeichner Uwe Heidschötter und der Kinderbuchautor Patrick Wirbeleit zu dem komplexen Thema „psychische Erkrankungen bei Kindern“ ein buntes und fröhliches Buch gestaltet. Der Erklärtext für Eltern und ältere Geschwister im Begleitbuch wurde vom Gründungsmitglied des GeschwisterNetzwerks, Prof. em. Dr. Reinhard Peukert verfasst.

Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) hat das Comicbuch mit einem Begleitbuch herausgebracht. Comic und Begleitbuch können beim BApK kostenlos bestellt werden.

Wahnsinn um drei Ecken

Eine Familiengeschichte

Friederike Samstag, Kerstin Samstag (2017)
Psychiatrieverlag

Verlagstext:

Die Mutter eines psychisch erkrankten Sohnes und seine Schwester erzählen gemeinsam von den Erschütterungen durch die psychischen Krisen ihres Sohns beziehungsweise Bruders. In Briefwechseln und kurzen Texten erfahren wir vom Gefühl, selbst verloren zu gehen, vom Sichkümmern, vom Herumsitzen auf psychiatrischen Stationen, von unterschwelligen Vorwürfen der Pflegekräfte, vom Schrecken und der Sprachlosigkeit angesichts der Suizidgefahr. Ein ganzes Familiengefüge bricht auseinander und wird doch wieder eins. Ein literarischer, ehrlicher Einblick in das seelische Erleben von Angehörigen.

Auf der Verlagsseite ist ein „Blick ins Buch“ verfügbar.

Broschüren

Informations-Broschüre

zum GeschwisterNetzwerk

GeschwisterNetzwerk.de (2018)

Zusammenstellung zur Gründung des Netzwerks, Kurzdarstellung und Ziele, inzwischen erschienene Artikel, internationale Ausweitung

Filme, Videos

Bianka Perez - jahrelang kämpft sie um Gerechtigkeit für ihren Bruder Michael

Die Schwarze Liste

Bianka Perez (2017), UnderDog Verlag

YouTube Video mit Klick auf Bild starten

Der Fall Michael Perez - Verloren in der Psychiatrie

SWR Reportage, 45 Min.

Film von Thomas Diehl (2018)

im SWR Fernsehen gesendet am 18.07.2018
auf YouTube veröffentlich am 18.07.2018

Ankündigung der Sendung in der Reihe „betrifft:“ auf der SWR Website herunterladen.

Zur SWR Mediathek mit Klick auf Bild

Verfügbar bis 24.02.2020

Allein für Bruder und Familie

SWR Reportage, 30 Min.

Film von Thomas Diehl (2019)

im SWR Fernsehen gesendet am 25.02.2019

Film in der Reihe „Mensch Leute“

SWR Fernsehen, Ankündigung der Reportage über „Den Fall Perez“ (Auszug):

„Michael Perez ist kein Terrorist, Massenmörder oder Sexualstraftäter. Er hatte einen langen, heftigen Nachbarschaftsstreit, hat zahlreiche Anzeigen kassiert, überreagiert, zugeschlagen. Ein blaues Auge. Und einen „spitzen Gegenstand“ soll er in der Hand gehabt haben. Dafür gibt es keine Beweise, aber es ist mit ausschlaggebend dafür, dass er „eingewiesen“ wurde. „Eine Gefahr für die Allgemeinheit. Unterbringung nach § 63, Psychiatrie statt Gefängnis“, so Gutachter und Richter.
Anfangs denkt Michael noch, er kommt da schnell wieder raus, wenn er sich anpasst, mitspielt, Psychopharmaka nimmt. Aber es dauert viele Jahre, bis er als Freigänger eingestuft wird, tagsüber im Straßenbau arbeiten darf, Hoffnung schöpft, von seinem Chef gelobt wird. Hoffnung, die schnell im Keim erstickt, als Michael in den Augen der Ärzte Rückschritte macht.
Alle Lockerungen werden gestrichen, er kommt zurück auf die „Geschlossene“, hat das Gefühl, er müsse bei null anfangen. Er rebelliert, wird mehrfach über Tage fixiert, obwohl er niemanden verletzt, und kommt in eine Hochsicherheitseinrichtung.“

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mehrere Jahre vergangen. Bianka Perez sieht den zunehmenden Verfall ihres Bruders und nimmt den Kampf um seine Freilassung auf: Sie richtet eine Website ein, ist auf Facebook und Twitter aktiv, startet eine Petition, schreibt ein Buch, in dem viele Dokumente unter Namensnennung der Beteiligten abgebildet sind, hält Lesungen ab, u.a. 2017 und 2018 bei der Leipziger Buchmesse, schaltet die Presse und schließlich auch das SWR Fernsehen ein.
Als „Frontfrau“ für ihre Eltern und ihre Schwester und unterstützt von ihrem Freund legt sie sich an mit Gutachtern, Gerichten, Psychiatern, Kliniken, insbesondere nachdem ihr Bruder für insgesamt drei Jahre in einem KIR (Kriseninterventionsraum) isoliert wird. Dabei kommt sie selbst an ihre Grenzen, auch weil sie immer wieder im Zweifel ist, ob ihr Engagement ihrem Bruder nicht mehr schaden als nützen könnte.

Man kann nur mutmaßen, ob und in welchem Umfang ihr Engagement und die Schaffung von Öffentlichkeit dazu beigetragen haben, dass ihr Bruder nach 10 Jahren im November 2018 unter Auflagen entlassen wurde und gerade rechtzeitig zu Biankas 30. Geburtstag in die Familie zurückkehren konnte. Auch über diese Entwicklung produzierte der SWR eine Reportage, an deren Ende die Unsicherheit über die Zukunft spürbar wird. Wie kann sich ein Mensch mit derart traumatisierenden Erlebnissen wieder in die Familie, die Gesellschaft und die Arbeitswelt eingliedern?
Sicher scheint eines zu sein: Wenn dies gelingt, hat seine Familie und allen voran seine Schwester Bianka sehr, sehr viel dazu beigetragen.   

Unzertrennlich

Leben mit behinderten und lebensverkürzt erkrankten Geschwistern

Dokumentarfilm

Frauke Lodders (Regisseurin) (2019)
Mindjazz Pictures

seit Januar 2019 im Kino
ab 28.06.2019 als DVD verfügbar

Süddeutsche Zeitung:
Frauke Lodders Dokumentarfilm lässt diejenigen zu Wort kommen, die in Familien mit schwerkranken und behinderten Kindern oft um die Aufmerksamkeit der Eltern kämpfen müssen: die gesunden Geschwister. In leisen, berührenden Nahaufnahmen werden sie hier einmal zu den Hauptpersonen.

Programmkino.de:
In einer besonders schwierigen Situation befinden sich die Geschwister von behinderten Kindern, die aus nachvollziehbaren, aber dennoch schmerzhaften Gründen etwas im Schatten stehen. Um sie geht es in Frauke Lodders Dokumentation „Unzertrennlich“, die mit großer Behutsamkeit beobachtet und dadurch allen Seiten gerecht wird.
 

Über die Website kann die DVD vorbestellt werden.

YouTube Video mit Klick auf Bild starten

Schwere Last auf schmalen Schultern

SRF Dokumentarfilm, 50 Min.

Helen Arnet (2018)

in 3sat gesendet am 30.01.2019
auf YouTube veröffentlich am 21.09.2018

Die Autorin (Auszüge):

Kinder, die Angehörige pflegen, gab es schon immer
„Young Carer“ – ein neuer Begriff für ein altes Phänomen. Denn Kinder und Jugendliche in der Pflegerolle gab es schon immer. „Young Carer“ übernehmen regelmässig Pflegeaufgaben für ein physisch oder psychisch erkranktes Familienmitglied. Die Betreuung kann sich über Jahre hinziehen oder kurz und intensiv sein. …

Schweigen aus Angst und Scham
Fakt ist: „Young Carer“ pflegen meist im Verborgenen. Oft wissen nicht einmal die engsten Freunde, Lehrer oder Lehrmeister von den teils zeitintensiven Aufgaben der pflegenden Kinder und Jugendlichen.
Es ist einerseits die Scham darüber, dass im eigenen Elternhaus vieles anders läuft als bei ihren Schulkameraden, die „Young Carers“ verstummen lässt.
Andererseits sind es oft auch die Eltern, welche den Kindern bewusst oder unbewusst ein Redeverbot auferlegen – aus Scham darüber, dem eigenen Kind so viel Verantwortung zu übertragen, aus Angst, als Eltern nicht zu genügen oder um eine Einmischung der Behörden zu verhindern. …

Fachleute für die Thematik sensibilisieren
Ziel der Forschung ist es, Fachpersonen wie Lehrerinnen und Lehrer, Ärzte und Pflegepersonal für die Thematik zu sensibilisieren. „Wenn sie den Begriff „Young Carer“ zum ersten Mal hören, fällt es vielen Fachpersonen wie Schuppen von den Augen“, sagt Agnes Leu, Leiterin des Forschungsprogramms „Young Carers“. …

„Young Carer“ sind sozialkompetent
Sinkende Schulleistungen, Müdigkeit, Konzentrationsschwächen fehlende soziale Kontakte und Freizeit sind nur die eine Seite der Medaille.
„Young Carer“ weisen auf der anderen Seite eine sehr hohe Sozialkompetenz, Empathiefähigkeit und ein gutes Selbstwertgefühl aus und sind gewohnt, Verantwortung zu tragen. Das sagt Karin Gäumann-Felix, Dozentin an der Höheren Fachschule Pflege des Berufsbildungszentrums Olten. In ihrem Unterricht hat sie regelmässig mit jungen Pflegenden zu tun.
Denn überdurchschnittlich viele ehemalige und aktuelle „Young Carer“ ergreifen einen Beruf im Pflegebereich. „Viele Betroffene merken erst im Rahmen der Ausbildung, dass sie selber „Young Carer“ sind oder waren und fangen dann an, über das Tabuthema zu reden“ – diese Erfahrung hat Karin Gäumann-Felix schon oft gemacht. …

Siegfried - Geister, die ich rief

Dokumentarfilm

Stella Tinbergen (Autorin und Regisseurin) (1998)
Eigenverlag

Der Film wurde 2006 mit dem Journalistenpreis „Schizophrenie und Stigma“ ausgezeichnet.

Die Autorin:

Mein Bruder Siegfried war 16, als er zum ersten Mal in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wurde.
Seine Diagnose: Jugendliche Schizophrenie.
Schon bald wurde er nicht mehr therapeutisch behandelt, sondern lediglich ruhiggestellt, mehr als zwanzig Jahre lang.
Als Siegfried vierzig war, setzte ich noch einmal alles daran, ihm ein größeres Maß an Selbstbestimmung zu verschaffen.
Ich wollte, dass er den Wechsel in ein Übergangsheim wagt und lernt,  sich selbst zu versorgen. Würde er das schaffen, wäre er in der Lage, in einer betreuten Wohngemeinschaft zu leben.

Über die Website der Autorin kann der Film auf DVD bestellt werden.

Audio

Eine schicksalhafte Beziehung
Wie Geschwister unser Leben prägen

Deutschlandfunk Kultur

Katrin Heise im Gespräch mit Geschwisterforscher Hartmut Kasten und Autorin Susann Sitzler sowie Zuhörer*innen (2018)

Sendung vom 01.12.2018

Hartmut Kasten:
„Das Besondere an der Geschwisterbeziehung ist das Schicksalhafte. Die Prägung durch Brüder und Schwestern ist mindestens so stark wie durch die Eltern. Oft bleibt auch die Rollenverteilung ein Leben lang erhalten – im Guten wie im Schlechten.“

Susann Sitzler:
„Geschwister sind in unserem Inneren zu Hause.“
„Mit einem Bruder oder einer Schwester empfinden wir Gefühlspremieren wie Liebe, Wut, Freude, Eifersucht oder Zusammengehörigkeit. Was wir mit ihnen erleben, wird zum Maßstab für unser späteres Leben.“

  • veröffentlicht: 03.02.2019
  • zuletzt geändert: 16.05.2019
  • von: AdminWP

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