Beiträge in: Sachbücher, Filme und mehr

Information, Ideas and Resources

Sharon Mulder, Elizabeth Lines (2005)

Canadian Mental Health Association (CMHA)

Eine der ersten Ratgeber-Broschüren für Geschwister. Aus dem Inhalt:

  • Facing the Unknown: Understanding Psychosis
  • Facing Change: Impacts on the Family
  • Facing Feelings: An Ongoing Process
  • Facing the Future: Moving Forward
  • Still Wondering …

Marin Sardy in The New Yorker (20.05.2019)

Die Autorin, bereits in ihrer Kindheit mit der psychischen Erkrankung ihrer Mutter konfrontiert, beschreibt sehr bewegend das Abgleiten ihres Bruder in die Obdachlosigkeit und Verwahrlosung, die vergeblichen Versuche der Familie, ihn aufzufangen, und die Versuche, sich abzugrenzen, das Bemühen und das Scheitern des professionellen Hilfesystems – und seinen Suizid zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Sie schreibt:

When you go hunting for advice on helping a mentally ill loved one, much of what you find focusses on education: learn as much as you can about mental illness, ask questions, and find a supportive community. In our family, we did all of this, and more—we took classes, consulted experts, conferred with lawyers, and met with people with schizophrenia who had rebuilt their lives. But applying what we learned was rarely simple. Though our efforts often helped us enormously, they did not, in the end, do much for Tom. I wonder, still, what could have saved him. The right kind of therapy early on, perhaps—someone to help him talk through his experiences and come to terms with them. And, later, public programs to enable him, and others with schizophrenia, to participate in society rather than be pushed to its fringes.

Warum Menschen so unterschiedlich sind und wie sich alle gut entwickeln können

W. Thomas Boyce (2019)

Droemer Verlag

Deutsche Ausgabe: März 2019

Verlagstext (Auszug):

Ein psychologisches Sachbuch über das Thema, warum wir Menschen uns unterschiedlich entwickeln. Menschen sind rätselhaft: Während der eine wie eine Orchidee feinfühlig auf alle Widrigkeiten reagiert, ist der andere robust und kommt problemlos wie ein Löwenzahn mit allen Herausforderungen zurecht.
Der international renommierte Kinder-Psychologe W. Thomas Boyce hat dieses Phänomen jahrzehntelang untersucht. Seine weltweit anerkannte Forschung zeigt, dass das Zusammenspiel von genetischen Voraussetzungen und Umwelteinflüssen darüber entscheidet, wie Menschen mit den Anforderungen ihrer Umwelt fertig werden und Stress verarbeiten.

Auszug aus Kapitel 1 – Eine Geschichte von zwei Kindern :

Dies ist die Geschichte einer Erlösung: eine Geschichte von Kindern, die sich wie Orchideen und Löwenzähne enorm darin unterscheiden, wie empfindsam sie auf Umweltbedingungen reagieren; eine Geschichte, die sich allmählich, aber kontinuierlich aus 25 Jahren Labor- und Feldforschung entwickelte; eine Geschichte, in die der Autor sehr involviert ist, sowohl wissenschaftlich als einer der Forscher, aus deren Arbeit sie stammt, als auch persönlich als eines der Kinder, für das sie lange, bevor es überhaupt eine „Geschichte“ gab, die man hätte erzählen können, schmerzlich und unausweichlich zur Realität wurde.

Das Leben als Bruder oder Schwester psychisch Erkrankter

Rezension von Reinhard Peukert

veröffentlicht in Psychosoziale Umschau 2/2019, S. 53

Klartext mit Gefühl und Respekt

Kein Leser wird sich der eindringlichen Präsenz des Textes entziehen können, die nicht zuletzt auf drei Expertisen der Autorin beruht: Jana Hauschild ist die Schwester von Sven, der an einer Borderline Persönlichkeitsstörung leidet, sie hat Psychologie studiert und ist heute eine gut beschäftigte Journalistin.
Diese drei Expertisen verbinden sich mit hoher Sachkenntnis und beeindruckender literarischer Kunstfertigkeit zu einem Buch, das für viele Lesergruppen ein gut zu rezipierender Gewinn sein wird – für die Geschwister, für deren Eltern, für weitere Familienangehörige, aber auch für professionelle Helfer. Selbst die psychisch erkrankten Geschwister werden von den Selbstäußerungen der vielen vorgestellten Geschwister profitieren, denn die Autorin redet zwar Klartext, aber niemals ohne einfühlsame Achtung jenen gegenüber, die als Geschwister oder Eltern am Leid der zu Wort-Kommenden direkt oder indirekt beteiligt sind.

Jana Hauschild hat mit vielen Geschwistern gesprochen, sie hat Geschwistergruppen besucht, die – spärliche – Literatur zu Geschwistern psychisch erkrankter Menschen studiert und sie hat die Selbstäußerungen von Geschwistern im Forum des GeschwisterNetzwerks verfolgt. Sie lässt den Leser auch teilhaben an ihrem eigenen Erleben. Sie offenbart uns ihre Gefühle der ungebrochenen Zuneigung, der Verzweiflung, der Hoffnungslosigkeit, der tiefen Enttäuschung und der Angst um ihren innig geliebten Bruder, der ihren eigenen Lebensweg erkennbar beeinflusst.

Dieses Erleben verbindet sie mit ihren Gesprächspartnerinnen und -partnern. Wenn sie über deren Leben berichtet merken wir: da war keine Interviewerin am Werk, die einem Leitfaden folgt; es treffen zwei Menschen aufeinander, die von Beginn an eine Gemeinsamkeit spüren – auch wenn die Lebenswege aller Beteiligten sehr unterschiedlich ausfallen.
In der plastischen Beschreibung dieser Lebenswege, der familiären Situationen sowie der tiefen gefühlsmäßigen Ambivalenzen, die fast jede Lebensäußerung und fast jede Entscheidungen der Geschwister so schwierig gemacht haben und noch machen erreicht Jana Hauschild ihr selbst gestecktes Ziel: „Unsere Geschichten sollen ein  großes Bild erzeugen, kein vollendetes, aber eines, das deutlich macht: Hier sind Menschen, die sich mehr Rückhalt, mehr Aufmerksamkeit oder mehr Unterstützung wünschen  – und diese mitunter dringend brauchen.“ (S. 23)

Neben lange zurückliegenden, im Seelenleben nach wie vor aktiven Erlebniswelten nehmen wir teil an den aktuellen Lebensumständen der Geschwister. Diese konnten für die Gespräche zwischen privaten Räumen oder einem öffentlichen Treff wählen. Die jeweilige Wahl, die zum Teil minutiöse Beschreibung des Ortes sowie weiterer Rahmenbedingungen des Gesprächs ergänzen die gesprochenen Worte zu einer geradezu physischen Präsenz der Geschwister.
Nur beiläufig sei angemerkt: Damit löst die Autorin zugleich einen Qualitätsstandard für narrative Interviews ein, nämlich bei allen Überlegungen auch die Aussagefähigkeit der räumlichen Kontexte zu beachten.

Sie findet eindringlich-prägnante Bilder für z.B. spannungsreiche, konfliktgeladene und/oder von Trauer, von Hilflosigkeit und/oder von Liebe und Nähe-Bedürfnis bei gleichzeitigem Bemühen um Abstand geprägte Gefühlsturbulenzen, die häufig zu einem beliebigen Zeitpunkt zugleich auftreten und die ganze Lebensabschnitte prägen können.  Andere Autoren (der Rezensent schließt sich hier mit ein) müssten viele beschreibende Worte verlieren, ohne diese Intensität je zu erreichen.

Solche Bilder hier zu zitieren würde sie aus ihrem Rahmen reißen. Einen Eindruck davon vermitteln Metaphern wie z.B. die vom „zerstörerischen Einschlag des Schicksals“, von der „Wucht, die ein Beben in Gang setzt“, von „mitunter zersplitterten Biographien“, von den „mal schwereren, mal leichteren Päckchen“, die manche „mit einiger Entfernung hinter sich her schleifen; andere halten sie fest an sich gedrückt.“ Sie spricht von der „einseitigen Seelsorgeleitung“, die die geschwisterliche Kommunikation auszeichnet und dem „blinden Fleck“ der Eltern und Profis.

Das Buch endet mit hilfreichen Hilfen für Geschwister. Dafür greift Jana Hauschild neben eigenen Überlegungen sowie die Erfahrungen aus Geschwistergruppen  auch auf englischsprachige Beratungsliteratur zurück. Viele Geschwister werden es ihr danken.

Ein sehr empfehlenswertes und gut lesbares Buch – für einen breiten Leserkreis.

Die Schwarze Liste

Bianka Perez (2017)

UnderDog Verlag

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Der Fall Michael Perez - Verloren in der Psychiatrie

Film von Thomas Diehl (2018)

SWR Reportage, in der Reihe "betrifft:", 45 Min.

im SWR Fernsehen gesendet am 18.07.2018
auf YouTube veröffentlich am 18.07.2018

Ankündigung der Sendung auf der SWR Website herunterladen.

Zur SWR Mediathek mit Klick auf Bild
Verfügbar bis 24.02.2020

Film von Thomas Diehl (2019)

SWR Reportage, in der Reihe "Mensch Leute", 30 Min.

im SWR Fernsehen gesendet am 25.02.2019

SWR Fernsehen, Ankündigung der Reportage über „Den Fall Perez“ (Auszug):

„Michael Perez ist kein Terrorist, Massenmörder oder Sexualstraftäter. Er hatte einen langen, heftigen Nachbarschaftsstreit, hat zahlreiche Anzeigen kassiert, überreagiert, zugeschlagen. Ein blaues Auge. Und einen „spitzen Gegenstand“ soll er in der Hand gehabt haben. Dafür gibt es keine Beweise, aber es ist mit ausschlaggebend dafür, dass er „eingewiesen“ wurde. „Eine Gefahr für die Allgemeinheit. Unterbringung nach § 63, Psychiatrie statt Gefängnis“, so Gutachter und Richter.
Anfangs denkt Michael noch, er kommt da schnell wieder raus, wenn er sich anpasst, mitspielt, Psychopharmaka nimmt. Aber es dauert viele Jahre, bis er als Freigänger eingestuft wird, tagsüber im Straßenbau arbeiten darf, Hoffnung schöpft, von seinem Chef gelobt wird. Hoffnung, die schnell im Keim erstickt, als Michael in den Augen der Ärzte Rückschritte macht.
Alle Lockerungen werden gestrichen, er kommt zurück auf die „Geschlossene“, hat das Gefühl, er müsse bei null anfangen. Er rebelliert, wird mehrfach über Tage fixiert, obwohl er niemanden verletzt, und kommt in eine Hochsicherheitseinrichtung.“

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mehrere Jahre vergangen. Bianka Perez sieht den zunehmenden Verfall ihres Bruders und nimmt den Kampf um seine Freilassung auf: Sie richtet eine Website ein, ist auf Facebook und Twitter aktiv, startet eine Petition, schreibt ein Buch, in dem viele Dokumente unter Namensnennung der Beteiligten abgebildet sind, hält Lesungen ab, u.a. 2017, 2018 und 2019 bei der Leipziger Buchmesse, schaltet die Presse und schließlich auch das SWR Fernsehen ein.
Als „Frontfrau“ für ihre Eltern und ihre Schwester und unterstützt von ihrem Freund legt sie sich an mit Gutachtern, Gerichten, Psychiatern, Kliniken, insbesondere nachdem ihr Bruder für insgesamt drei Jahre in einem KIR (Kriseninterventionsraum) isoliert wird. Dabei kommt sie selbst an ihre Grenzen, auch weil sie immer wieder im Zweifel ist, ob ihr Engagement ihrem Bruder nicht mehr schaden als nützen könnte.

Man kann nur mutmaßen, ob und in welchem Umfang ihr Engagement und die Schaffung von Öffentlichkeit dazu beigetragen haben, dass ihr Bruder nach 10 Jahren im November 2018 unter Auflagen entlassen wurde und gerade rechtzeitig zu Biankas 30. Geburtstag in die Familie zurückkehren konnte. Auch über diese Entwicklung produzierte der SWR eine Reportage, an deren Ende die Unsicherheit über die Zukunft spürbar wird. Wie kann sich ein Mensch mit derart traumatisierenden Erlebnissen wieder in die Familie, die Gesellschaft und die Arbeitswelt eingliedern?
Sicher scheint eines zu sein: Wenn dies gelingt, hat seine Familie und allen voran seine Schwester Bianka sehr, sehr viel dazu beigetragen.

Am 19. April 2019 postet sie unter dem Titel „Geschwister #einlebenlang“ ein Bild von sich und ihrem Bruder:
#grosserbruder #kleineschwester #einlebenlang

Jana Hauschild in Spiegel Online (16.02.2019)

Die Autorin:

Wenn ein Mensch psychisch erkrankt, leidet meist auch das Umfeld. Bruder und Schwester werden dabei häufig übersehen, dabei können sie die Betroffenen unterstützen. Mitunter brauchen sie aber auch selbst Hilfe.

Stern-Gespräch zu retrograder Amnesie mit Max Rinneberg und seiner Schwester Christina (02.02.2019)

Das Gefühl, die vertraute Schwester oder den vertrauten Bruder durch eine psychische Erkrankung zu verlieren, kennen viele Geschwister. Diese Verlusterfahrung ist jedoch nicht auf die Geschwister psychisch Erkrankter beschränkt; die Schwester, deren Bruder aufgrund einer retrograden Amnesie sein Gedächtnis vollständig verloren hat, schreibt: „Ich hätte gern meinen alten Max zurück. Aber: ein ganz tiefes Gefühl für ihn war trotz allem immer vorhanden.“

Das Leben als Bruder oder Schwester psychisch Erkrankter

Jana Hauschild (2019)

Beltz Verlagsgruppe

Neuerscheinung, 1. Auflage, Februar 2019

Verlagstext:

Sie spielen meist nur die zweite Geige: Geschwister psychisch Erkrankter bleiben mit ihren Bedürfnissen und Erfolgen, ihren Sorgen und ihrer Angst oft allein. Manche ein Leben lang. Sie sind die geborenen Funktionierer, Sonnenkinder, Vermittler zwischen Eltern und Geschwistern. Die Beziehung zu ihrem erkrankten Geschwister ist komplex – mal haben sie einen ausgeprägten Schutzinstinkt, mal hegen sie Gram. Manche hat die Verantwortung stark gemacht, andere fühlen sich ihrer Kindheitsjahre beraubt.
Jana Hauschild gibt den erwachsenen Geschwistern eine Stimme. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert die Psychologin Lebensläufe, spürt den Gefühlen der Übersehenen nach und begleitet sie auf ihrem Weg zu sich selbst.

Hinweis: Wenn Dir das Buch gefällt, kannst Du zu seiner Verbreitung beitragen, indem Du Bewertungen bei Online-Portalen wie z.B. Amazon abgibst.

Ein Comicbuch für Kinder ab 5 Jahren

Herausgeber: Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (2018)

Mit viel Erfahrung haben der Comiczeichner Uwe Heidschötter und der Kinderbuchautor Patrick Wirbeleit zu dem komplexen Thema „psychische Erkrankungen bei Kindern“ ein buntes und fröhliches Buch gestaltet. Der Erklärtext für Eltern und ältere Geschwister im Begleitbuch wurde vom Gründungsmitglied des GeschwisterNetzwerks, Prof. Dr. Reinhard Peukert verfasst.

Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) hat das Comicbuch mit einem Begleitbuch herausgebracht. Comic und Begleitbuch können beim BApK kostenlos bestellt werden.

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